“Love Comes to Town” (Again): Torsten Goods & Band @ Residenz, Allerheiligen-Hofkirche, München



Torsten Goods & Band, Freitag, 11.04.2014 Residenz, Allerheiligen-Hofkirche – München Ticket.

Nach Eintritt in die Allerheiligen Hofkirche im Münchner Residenz-Carré gleich einmal ehrfürchtiges Staunen ob der schlichten, aber doch beeindruckenden Rundbogeninnenarchitektur, unverputzten Wänden und Säulen, dezenter indirekter Beleuchtung und ein paar wenigen Wandgemälden – für eine Kirche ein überraschend schlichtes, aber dennoch wirkungsvolles Erscheinungsbild. Und auch Torsten Goods drittes Konzert der “Love Comes To Town“-Tournee im Münchner Raum bzw. diesmal in der Innenstadt bewegte sich in einem interessanten Spannungsfeld von äußerlicher, vordergrundiger Schlichtheit – der Aufwand an Beschallungs- und Lichttechnik blieb überschaubar – und größtmöglicher erzielbarer Wirkung, die die – auch schon bei den zurückliegenden Konzerten – ungeheuer spielfreudige Band mit einer coolen Gelassenheit und Leichtigkeit entfaltete, die sie ein ums andere Mal als Ausnahmeerscheinung im Livemusik-Geschehen auszeichnet.

Dass auch die Technikcrew ihr Handwerk verstand, wurde insbesondere angesichts der optisch wirkungsvollen, aber akustisch sicherlich schwer zu beherrschenden Location deutlich, sind doch glatte Flächen und komplexe Rauminnenformen für jeden Tontechniker der reinste Albtraum: Sog. natürliche Reflexionen, die den produzierten Schall unbarmherzig von der Wand in den Innenraum zurückwerfen, überlagern den Originalsound von der Bühne häufig in einer Weise, die zu kaum eliminierbaren Effekten wie akustischen Auslöschungen oder unerwünschten Verzögerungen führt. Dennoch gelang es der Tontechnik, das Klangbild transparent genug zu machen, dass ein ausgewogener Klang im locker gefüllten Kirchenschiff ankam. Womit mit “locker” gleich wieder ein Stichwort gefallen wäre: Selten erlebt man einen Frontman so lässig-gelassen, so souverän, so selbstsicher und dabei mit sichtlicher Freude am eigenen Tun ohne jemals in irgendeiner Weise prätentiös oder “divenhaft” zu wirken – obwohl Torsten Goods trotz seiner jungen Jahre bereits Karrierehighlights in Zahl und Qualität vorweisen kann, an denen andere ein Leben lang basteln: Im jugendlichen Alter von 17 Jahren Schüler von Peter O’Mara, der seinerseits ein in der Münchner und internationalen Jazz-Szene geläufiger Name ist, Studienaufenthalte bei der Jazzgitarrenlegende Jim Hall und John Scofield im Sommer 1999 und 2000 in New York, dann Eintritt in das von Peter Herbolzheimer geleitete Bundesjazzorchester. Schließlich von 2001 bis 2003 ein Jazzgitarre-Stipendium an der New School University in New York City und persönlicher Kontakt mit weiteren Jazz-Legenden: George Benson und Les Paul – letzterer gab Torsten Gutknecht seinen jetzigen Künstlernamen. Seit 2001 hat der 33 Jahre junge Torsten Goods nicht weniger als sechs Soloalben veröffentlicht sowie vielfach auf Alben international renommierter Künstler mitgewirkt und Künstler wie z.B. Sarah Conner als Music Director auf Tournee begleitet. Auftritte auf den Leverkusener Jazztagen sowie der Jazzwoche Burghausen und die 2004 erfolgte Nominierung für den Preis der deutschen Schallplattenkritik darf man getrost als musikalischen Ritterschlag verstehen.

Aber Stipendien, Preise und Mentorenschaft großer Namen sind das eine, das gespannt und erwartungsvoll versammelte Publikum Abend für Abend auf’s Neue zu gewinnen, zu verzaubern und zu überzeugen das andere – und letzteres entscheidet schlussendlich darüber, wer in diesem hart umkämpften, schnelllebigen und reichlich vergesslichen Geschäft nicht nur den Fuß in der Tür behält, sondern diese auch ganz zu den eigenen Gunsten aufstößt – und aufhält! Und so darf man die vielen Termine der aktuellen “Love Comes To Town”-Tour, die teils in den gleichen Häusern mehrfach zu verschiedenen Zeitpunkten eine erneute Einladung erfuhren, durchaus als Qualitätskriterium für eben diese Leistung verstehen, bestehende und neue Fans so nachhaltig zu überzeugen, dass diese stets erneut neugierig auf die Darbietung des nun bereits weitläufig bekannten Materials sind, wohlwissend, dass es Goods und seiner hochkarätigen Band ein ums andere Mal gelingt, vollkommen frisch und unverbraucht, immer voll überschäumender Freude am Performen und auf allerhöchstem musikalischen, aber auch unterhaltenden Niveau mit guter Laune und perfekter Beherrschung der Instrumente und Stimme die anwesenden Fans und Musikliebhaber früher oder später von den Sitzen zu reißen. So auch diesmal, wenngleich der vornehme, um nicht zu sagen ehrfurchtgebietende Rahmen durchaus eine gewisse Zurückhaltung nahezulegen schien. Aber spätestens wenn Goods mit unerschütterlicher Selbstsicherheit “You Wind Me Up” singt und der ganze Körper zum Instrument wird, er die Gitarre rhythmisch um die Körpermitte kreisen lässt, mal kehlig, mal mit feingranuliertem Tremolo in der Stimme intoniert, sich breitbeinig aufstellt und Mikrostativ oder Gitarre mit festem Griff umfasst, spätestens dann leuchten die Augen im Publikum, sind die Damen – aller Generationen übrigens – hingerissen und die Herren schwer beeindruckt! Das ist reinrassiges Performen – musikalischer Anspruch und Tiefe treffen auf souveräne Bühnenpräsenz und -darbietung! Diese Qualitäten können und konnten in der gesamten Musikgeschichte nicht allzuviele Künstler für sich in Anspruch nehmen. Selbst so mancher (Rock-) Superstar kann es an cooler Nonchalance und dabei virtuoser Beherschung von Instrument und Stimme nicht mit einem Entertainer dieses Kalibers – im besten Sinne – aufnehmen.

So verwundert es auch kaum, dass bereits nach dem ersten Set immer wieder begeisterter “Szenenapplaus” nach den teils fulminanten Soloparts von Goods oder Miserre (keyboards), später auch von Felix Lehrmann an den Drums zu hören war, sowie sogar vereinzelte Jubelrufe nach Ausklingen des jeweiligen Songs. Und selbstverständlich liess das Münchner Publikum die Band nicht ohne Zugabe weiterziehen, die gewissermaßen zur “impromptu Session” wurde: Der noch wenige Tage zuvor spontan eingeladene Max Merseny stieg zu Beginn des zweiten Sets beim berühmten Crusaders-Cover “Put it Where You Want it” und “Heart to Heart” als Gaststar ein – ein schönes “Rückspiel” für die Munich Summer Jazz Week 2012 in der Unterfahrt München, wo Max Merseny seinerseits Torsten Goods als special guest und Überraschungsgast des Abends geladen hatte. Im weit über die Grenzen Münchnens hinaus bekannten Jazzclub Unterfahrt erfolgte dann übrigens auch rund ein Jahr später der Tournee-Auftakt zu Torsten Goods aktueller “Love Comes to Town”-Tour.

Etwas bedächtiger zu ging es bei “No Religion“, einem Song der 2006 erschienenen “Irish Heart“-CD, der die nordirischen Bürgerkriegsunruhen thematisiert, “Carrickfergus“, ebenfalls auf “Irish Heart” sowie dem Adele-Cover “Someone like You“, um dann gleich wieder vom beschwingten “Freedom Every Day” und “Summer Lovin‘” (im zweiten Set) abgelöst zu werden. Dazu in jedem Song Solos von Torsten Goods oder Jan Miserre, die sich an Originalität und Virtuosität jeweils gegenseitig übertrafen – alles stets getragen vom unerschütterlichen Groove aus den Sticks und Drums Felix Lehrmanns und Christian von Kaphengst am Bass.

Und wenn dann nach gut zwei Stunden doch irgendwann der Vorhang fallen muss, will man es kaum für möglich halten, dass die Zeit doch schon wieder so schnell verflogen ist – obschon die Dichte an musikalischem Können und die Auswahl der Songs das Publikum über die gesamte Zeit vollständig in Atem halten und in Beschlag nehmen. Es scheint, als hätten Torsten Goods und seine musikalischen Begleiter den Inbegriff von Kulturveranstaltungen auf höchstem Niveau wiederentdeckt und ihnen ohne Scheu ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Fazit: “When Love Comes to Town” sollte man auch da sein!

(Quellen: Torsten Goods Website, Wikipedia, ACT! Music und von den vorgenannten Adressen weiterführende Quellen)

Jetzt auch mit richtigen Bildern – von der einzigartigen Lena Semmelroggen, die Smashing Snapshots liefert – aber echt!

 

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Und hier meine fotografischen Gehversuche, die vielleicht als “Pixelsuppe” durchgehen mögen…

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