Mo´Fazz @ musica!bühne.


“Clubjazz vom Feinsten”, so kündigte Michael Nasswetter, Organisator der musica!bühne im “Pauls” in der Maxvorstadt die Band Mo Fazz an, die offiziell den Start einer musikalischen Veranstaltungsreihe von März bis zunächst Juni 2014 einläutete. Und tatsächlich muss man nach dem Besuch der Bandwebseite feststellen, dass die vier Herren in der Besetzung Drums (Fritz Rittmüller), E- und Kontrabass (Manuel Frey), Keyboards (Ansgar Gusinde) sowie Tenor- und Sopransaxophon (Oliver Knab) ihre Instrumente und ihr Handwerk trefflich beherrschen.

Aber Virtuosität und abgehobene Jazz-“Akademik” stehen weniger im Mittelpunkt ihrer Auftritte – Spaß machen soll das Ganze und unterhaltend sein! Und dass sich Unterhaltungswert und Anspruch bestens miteinander vereinbaren lassen, davon konnten sich die teils auch von außerhalb Münchens angereisten alten und neuen Mo Fazz-Fans einen entspannten und gleichzeitig spannenden Abend lang überzeugen.

Eingefleischte Jazzconnaisseure mögen sich eventuell fragen, was es denn mit Clubjazz nun genau auf sich habe, zumal der Jazz ja ohnehin in Clubs zu Hause ist. Am aufschlußreichsten dürfte da die Erklärung der Band selbst in diesem sehr professionell präsentierten Videoclip sein.

Oder wie Fritz Rittmüller dann später an diesem Abend erläuterte: “Die Mischung macht’s”. Und die war über zwei üppig bestückte Sets von ca. 20.30h bis ca. 23.30h fein abgeschmeckt mit Titeln aus den Federn der jeweiligen Bandmitglieder sowie pfiffig arrangierten und knackig gespielten Coverversionen oder bekannten Jazz-Standards. Ganz herausragend in diesem Zusammenhang: Eine frech swingende Interpretation des 80-er-Jahre Hits “Steppin’ Out” von Joe Jackson (hier im Original), balladesk und verträumt, handwerklich aber beeindruckend eröffnet von Ansgar Gusinde. Spätestens hier merkte man ihm und auch den übrigen Bandmitgliedern an, dass sie vollständig “warm gespielt” waren, obschon auch schon beim Auftakt-Song “Stolen Moments” von Oliver Nelson, einem hinlänglich bekannten Jazz-Standard, jeder Ton und Beat “in the pocket” war und damit im Musikerjargon ausgedrückt wird, dass es einfach groovte!

Tatsächlich dürfte das auch ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Band sein: Eine gut eingespielte Rhythmusgruppe aus wahlweise Kontra- oder E-Bass und drums, die auch bei den teils ausgetüftelten Eigenkompositionen immer ordentlich “Schub” liefert und stets eine solide Groovebasis bereitstellt. Und weil sich die Band auf diese unerschütterliche, timingfeste Basis verlassen kann, schrecken sie in ihren Kompositionen auch nicht vor Polyrhythmen oder raffinierten bis gelegentlich abrupten Rhythmus- und Tempowechseln zurück, offenbar wohlwissend, dass Rittmüller durch nichts aus der Ruhe und Konzentration zu bringen ist. Diese routinierte Gelassenheit gepaart mit gleichzeitiger Spielfreude scheint ihm genügend Konzentration zu lassen um auch noch bei einigen Vocal-Titeln die Leadstimme mit einem rauchig-rockigen Timbre zu singen. Klassiker aus dem Great American Songbook wie z.B. “It Ain’t Necessarily So” oder das schon erwähnte “Steppin’ Out” sowie auch etwa die Mo-Fazz-Eigenkomposition “Defeated” bekommen so einen Wiedererkennungswert, den man manchmal selbst bei den profiliertesten Virtuosen vermisst. Austauschbarkeit in der Darbietung der Titel müssen Mo Fazz also schon mal nicht so schnell fürchten.

Während die Kompositionen von Rittmüller stets die ungebremste Freude an Groove und Melodie erkennen lassen, scheinen jene von Oliver Knab oder Ansgar Gusinde eher einen Hang zum Experimentellen aufzuweisen – ein neugieriges Herantasten an das Mischen von Genres, Rhythmen, Stilistiken. Am Ende fügt sich dann aber doch immer wieder alles organisch zusammen, so dass das Zuhören niemals Gefahr läuft, zur bemühten Aufmerksamkeitsübung zu geraten. Und das, obschon auch solistisch genug “passiert”, so dass auch die eher analytischen Zuhörer genügend “Hörfutter” haben sollten um einen Abend lang interessiert bei der Sache sein zu können. Was die selbst komponierten Titel anbelangt, so scheint die nunmehr seit über vier Jahren bestehende und bereits mit wiederholten Jazzfestival-Meriten ausgezeichnete Band sich inzwischen auf ihre “Schreibe” eingeschossen zu haben, die wiederum den originellen Charakter und Wiedererkennungswert bekräftigt. Und auch ein kräftiges Augenzwinkern kommt nicht zu kurz bei Titeln wie z.B. “Wurstsalat”, einer Nummer mit einem ordentlichen Schuß Funk, von Ansgar Gusinde mit dem von Stevie Wonder bekanntgemachten und häufig benutzten Hohner-D6-Clavinet-Sounds serviert und inspiriert laut Rittmüller von einer Anekdote aus dem Bandleben. Hier lief übrigens Ansgar Gusinde zu Bestform auf und setzte dem “Wurstsalat” ein scharfes Dressing in Form eines leidenschaftlichen Piano-Solos auf, das sich vor den bekannteren Tasten”königen” der Münchner Jazzszene nicht zu verstecken brauchte.

Einen ähnlich strahlenden Moment hatte Manuel Frey in “Lotte goes funky“, einer Komposition von Oliver Knab, die er um ein beherztes Slap-Bass-Solo bereicherte, wie es sich für eine Nummer mit deutlichen Anklängen an den Funk eben gehört! Auch Fritz Rittmüller konnte in diesem Stück während seines Schlagzeugsolos noch einmal richtig zeigen, was es buchstäblich geschlagen hatte.

Einzig die Besucherzahl hätte durchaus noch die eine oder andere Zugabe verdient, obwohl das Lokal mit reichlich Fans der Band und neugierigen Gästen der Münchner Musikszene besetzt war. Das plötzlich einsetzende schlechte Wetter zum Wochenende könnte durchaus mit verantwortlich gewesen sein, zumal ja Münchner Autofahrer bei Regen grundsätzlich das Fahren verlernen, vergessen, wo das Gaspedal ist und im Handumdrehen chaotische Verkehrsverhältnisse produzieren. Gut möglich, dass da der eine oder andere einem Abend auf dem Wohnzimmersofa den Vorzug gegeben haben mag.

Von diesen kleinen Widrigkeiten liessen sich aber weder der Initiator Michael Nasswetter noch das sehr aufmerksame und bestgelaunte Team und schon gar nicht das anwesende Publikum im Pauls die Stimmung verderben.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Initiative von Michael Nasswetter, der auch Mitbegründer und -betreiber des Musicaladens am Tegernsee ist, mit den weiteren Veranstaltungen und angekündigten Acts reichlich Zuspruch beim Münchner Publikum findet, auf dass die lokale Musikszene um einen weiteren schönen Auftrittsort bereichert bleiben möge.

(©W. Nieke, verlinkte Medien und Quellen mit freundlicher Genehmigung der Band und des Veranstalters)

Bilder gibt’s hier zu sehen.

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