Max Merseny feat. Torsten Goods: Musikalische Breitseite – voll auf die Zwölf!


Max Merseny, Torsten GoodsMeine Herrschaften, damit hatte ich in meiner meterdicken Unschuld-vom-Lande-Naivität nicht gerechnet! Dass mir eine handvoll junger und junggebliebener Jazz-crossover-Renegades den mühsam genährten Rest an künstlerischem Selbstvertrauen nach spätestens drei Nummern im Konzert in die imaginäre Tüte rollen und – metaphorisch gesprochen – backstage durch die Lungenflügel ziehen, hatte ich in meiner post-post-post-pubertären Vorfreude doch nicht ahnen können! Aber eins nach dem anderen: Was war hier passiert? OK, wir schreiben das Jahr 2012, Sternzeit 06-09-12-21-00-+2-GMT, Koordinaten http://goo.gl/maps/mjMgG im international bekannten und geschätzten Jazzclub Unterfahrt in München. An einem der schon etwas kühler gewordenen Abende des heraufziehenden Herbstes hat sich ein demographisch und nach kulturellen Präferenzen reichlich heterogenes Publikum im Kellergeschoß des Kulturzentrums Einstein eingefunden, um auf die u.a. per Facebook publizierte Einladung Max Mersenys und seiner “posse” talentierter Mitstreiter zu reagieren. Genau genommen sind die Mitstreiter selbst allesamt echte musikalische Schwergewichte, die auf eine stattliche Zahl namhafter Projekte zurückblicken und/oder daran beteiligt sind. Da hätten wir zum einen Christoph Holzhauser an den Drums, der derzeit u.a. bei Moop Mama die Drumsticks schwingt, in Matthias Bublaths Groove Connection den Beat angibt, bei Jazz in the City drummt und auch sonst als Session- und Studiodrummer bestens gefragt ist. Die tiefen Töne lieferte während der “Summer Jazz Week” der aus Köln angereiste Bassist Claus Fischer, den man u.a. aus der TV-Total-Band bei Stefan Raab kennt, der aber auch schon mit Anastacia, Kylie Minogue, Chaka Khan, Lionel Richie und vielen anderen internationalen Künstlern zusammengearbeitet hat, sowie als Musikproduzent und Studiomusiker international tätig ist. Die Rhythmusgruppe komplettierte der ebenfalls bereits mit national und international bekannten Acts arbeitende Gitarrist Ferdinand Kirner, den man zusammen mit Max Herre, Roberto Di Gioia, Samy Deluxe als überaus vielseitigen und erfahrenen sideman erleben durfte, der aber in dieser Formation auch zeigen konnte, welche solistischen Qualitäten in ihm stecken. An der Hammond B3, Piano und Keyboards sass der den Münchner Jazz-Connaisseuren bestens bekannte und vertraute Matthias Bublath, der neben seinen eigenen Projekten ebenfalls als Studiomusiker und Arrangeur gefragt ist und sich während seines siebenjährigen Aufenthalts in New York auch dort einen Namen zu machen wusste, so dass Funklegende Mike Clark und der Tower of Power Saxofonist Lenny Picket auf ihn aufmerksam wurden. Neben Bandleader Max Merseny, der mit seinen charmanten Ansagen und energiegeladenen Soli das Publikum gewissermassen vom ersten Takt an für sich gewinnen konnte, hatte DJ, Rapper, MC und Freestyler Roger Rekless an den Decks und mit seinen Impromptu-Rhymes sofort einen Stein im Brett beim Publikum in der voll besetzten Unterfahrt. Und obwohl Max Merseny irgendetwas von “warm spielen” erzählte, ging das vom ersten Moment an ab – und zwar voll auf die Zwölf! Als wäre diese fette musikalische Packung an Energie, Leidenschaft und Groove nicht schon heftig genug zu verdauen gewesen, legten die Jungs ab dem zweiten Set nochmal kräftig nach: Dem aus Berlin angereisten und ebenfalls mit internationalen Meriten reich ausgestatteten Supertalent Torsten Goods an der Gitarre und Gesang, der gewissermassen die Essenz eines George Benson, Biréli Lagrènes, Norman Browns und anderer hochkarätiger Gitarrenkünstler der Musikgeschichte in sich vereint, gelang es auf Anhieb und trotz der anwesenden und bereits hochverdienten musikalischen “Alphatiere”, Bühne und Publikum vom ersten Ton an für sich einzunehmen. Mit vor Einfallsreichtum und Spielfreude strotzenden Soli spielte er sich zu dem Song “Thank Y’all” von Max Mersenys Debütalbum warm, um dann spätestens bei “Weekend in L.A.” zu absoluter Top-Form aufgelaufen zu sein, die dem Autor dieses Beitrags beinahe die Gesichtszüge entgleiten liessen… Kann man das noch toppen? Man kann, und zwar mit einer vor Groove und Feinrhythmik geladenen Coverversion des Toto-Klassikers “99”, bei der Torsten zeigen konnte, dass er nicht nur ein Instrumentalist von Weltklasseformat ist, sondern ein ebenso begnadeter Sänger, dessen Musikalität sich auch hier in einer Weise manifestiert, die Selbstvertrauen gepaart mit einem für seine Jugend überraschenden Maß an Erfahrung und technischer Finesse offenbart. Und natürlich verrieten auch die Blicke der Damen, dass Torstens Bühnenpräsenz sich bis auf den letzten Platz der offenbar ausverkauften Unterfahrt mitteilte. Dass die Anwesenden hier Zeugen einer Ausnahmeveranstaltung wurden, zeigte sich nicht zuletzt in der Ehrerbietung eines von Max’ ersten Mentoren, Axel Kühn, der seiner Freude über den Erfolg seines musikalischen Schützlings in einer persönlichen Ansage aufrichtigen Ausdruck und seinen Worten mit virtuosen Beiträgen zu einem weiteren Song von Max Album The 4th dann in Form eines “four by four battle of saxes” nochmal musikalischen Nachdruck verlieh. Und auch Jazz-Prominenz wie z.B. der von Superdrumming bekannte Schlagzeuger Pete York sowie Kulturjournalist Oliver Hochkeppel, der für seine Beiträge u.a. in der Süddeutschen Zeitung und JazzZeitung  bekannt ist, liessen es sich nicht nehmen, Max Mersenys Superband einmal eingehender “abzuchecken”. Wer noch Gelegenheit hat, darf sich den heutigen Ausklang der Summer Jazz Week in der Unterfahrt keinesfalls entgehen lassen und wird zweifellos mit einem Konzert der absoluten Extraklasse belohnt werden. Reservierungen am besten direkt mit der Unterfahrt hier klarmachenoder auf gut Glück reinschauen. Weitere Informationen zu den einzelnen Musikern hinter den Links im Text sowie hier noch einmal gesammelt:

Es folgen noch Bilder von Lena Semmelroggen, die sich mit ihrer unverwechselbaren Art der Livemusik-Fotografie schon eine Fotoausstellung in der Unterfahrt sowie Berichte in der Süddeutschen Zeitung und dem SZ-Magazin sichern konnte.

Und  hier nun die fantastischen Bilder aus Lena Semmelroggens Objektiv:

©wesbound, September 2012, alle Rechte vorbehalten

2 Comments

  1. Dein Keuchen ist bis nach Passau zu hören … komm bloß wieder runter, sonst geht die Lunge ganz zum Teufel …

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